Warum ein einzelner Morgenwert wenig sagt
Du misst morgens und der Wert ist höher als gestern Abend. Das beunruhigt viele. Ein einzelner Morgenwert steht aber für sich allein. Er zeigt nicht, ob er zu Deinem üblichen Verlauf passt. Er zeigt auch nicht, was an diesem Morgen anders war: eine kurze Nacht, der Kaffee vor der Messung oder eine vergessene Tablette am Abend.
Dieser Artikel erklärt kurz, was der Tagesrhythmus damit zu tun hat. Vor allem zeigt er Dir, wie Du selbst herausfindest, ob hinter Deinen Morgenwerten ein Muster steckt.
Ein Teil ist der normale Tagesrhythmus
Der Blutdruck ist nicht den ganzen Tag gleich. Nach der Deutschen Herzstiftung steigt er schon vor dem Aufwachen an. Einen ersten Höhepunkt erreicht er meist zwischen 8 und 9 Uhr. Nachts fällt er deutlich ab.
Ein etwas höherer Wert am Morgen ist deshalb erst einmal nichts Ungewöhnliches. Die eigentliche Frage lautet: Sind Deine Morgenwerte an manchen Tagen höher als an anderen? Und wenn ja, was haben diese Tage gemeinsam?
Der Zwei-Wochen-Check
Mit diesem Vorgehen beantwortest Du die Frage selbst. Es dauert zwei Wochen und jeden Morgen etwa fünf Minuten.
1. Immer gleich messen. Die Deutsche Hochdruckliga rät, morgens vor der Einnahme der Medikamente zu messen und 30 Minuten vorher keinen Kaffee zu trinken, nicht zu rauchen, nicht zu essen und keinen Sport zu machen. Halte diese Reihenfolge jeden Morgen ein. Nur dann sind Deine Werte vergleichbar.
2. Zu jedem Morgenwert vier Dinge notieren.
| Was Du notierst | Warum |
|---|---|
| Uhrzeit des Aufstehens und der Messung | Zeigt, ob Du immer im gleichen Abstand misst |
| Kaffee oder Tee vor der Messung: ja oder nein | Falls die feste Reihenfolge einmal nicht klappt |
| Blutdrucktablette am Vorabend genommen: ja oder nein | Eine vergessene Tablette ist laut Herzstiftung ein häufiger Grund für Schwankungen |
| Wie Du geschlafen hast, in Stunden oder in eigenen Worten | Für Deine eigene Frage nach dem Zusammenhang |
Du kannst weitere Spalten ergänzen, wenn Du eine eigene Vermutung hast, etwa ein spätes Abendessen oder Schichtdienst.
3. Nach zwei Wochen sortieren und vergleichen. Teile Deine Morgenwerte in Gruppen auf, zum Beispiel Tage mit und ohne Kaffee vor der Messung. Bilde für jede Gruppe den Durchschnitt: alle Werte zusammenzählen und durch ihre Anzahl teilen. Dann vergleichst Du die Gruppen.
Vorlage zum Ausdrucken: Eine Tabelle für 14 Morgen mit allen Spalten und ein Blatt für die Auswertung gibt es als kostenloses PDF zum direkten Herunterladen, ohne Anmeldung.
Ein Beispiel zum Nachrechnen
Das folgende Beispiel ist erfunden. Es zeigt nur, wie der Vergleich funktioniert. Der Einfachheit halber steht hier nur der obere Wert.
| Morgen | Oberer Wert | Kaffee vorher | Tablette am Vorabend | Schlaf |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 142 | nein | ja | 7 Std. |
| 2 | 151 | ja | ja | 7 Std. |
| 3 | 139 | nein | ja | 8 Std. |
| 4 | 158 | nein | nein | 6 Std. |
| 5 | 149 | ja | ja | 6 Std. |
| 6 | 141 | nein | ja | 7 Std. |
| 7 | 153 | ja | ja | 7 Std. |
| 8 | 140 | nein | ja | 8 Std. |
| 9 | 156 | nein | nein | 7 Std. |
| 10 | 143 | nein | ja | 6 Std. |
Sortiert nach Gruppen ergibt sich:
| Gruppe | Morgen | Durchschnitt |
|---|---|---|
| Kein Kaffee, Tablette genommen | 1, 3, 6, 8, 10 | 141 |
| Kaffee vor der Messung | 2, 5, 7 | 151 |
| Tablette am Vorabend vergessen | 4, 9 | 157 |
In diesem Beispiel liegen die Morgenwerte nach Kaffee und nach einer vergessenen Tablette deutlich höher als an den übrigen Tagen.
Achtung, Gründe können sich überlagern. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als wären die Werte nach kurzen Nächten höher: Die Morgen mit 6 Stunden Schlaf liegen im Schnitt bei 150, die übrigen bei 146. Schau genauer hin: Morgen 4 war zugleich ein Tag ohne Tablette, Morgen 5 ein Tag mit Kaffee. Der einzige Morgen mit kurzer Nacht ohne einen dieser Gründe ist Morgen 10. Er liegt mit 143 so hoch wie die anderen normalen Tage. Der Schlaf ist in diesem Beispiel also wahrscheinlich nicht der Grund.
Daraus lassen sich drei Regeln ableiten:
- Vergleiche nur Morgenwerte mit Morgenwerten, nicht mit Abendwerten.
- Ziehe keine Schlüsse aus ein oder zwei Werten. Je mehr Morgen in einer Gruppe stehen, desto eher zeigt sich ein echtes Muster.
- Prüfe, ob an den auffälligen Tagen noch etwas anderes los war.
Dein Ergebnis ist kein Befund. Es ist eine gute Frage für Deine Praxis.
Was Du Deiner Praxis zeigen kannst
Die Deutsche Hochdruckliga betont, wie hilfreich eine übersichtliche Tabelle mit den Messwerten für die Praxis ist. Bring Dein Protokoll mit und stelle konkrete Fragen, zum Beispiel:
- Meine Morgenwerte liegen im Schnitt höher als meine Abendwerte. Passt das zu meinem Zielwert?
- An Tagen nach einer vergessenen Abendtablette sind meine Morgenwerte höher. Was bedeutet das?
- Ist eine 24-Stunden-Messung sinnvoll?
Die 24-Stunden-Messung zeigt nach der Deutschen Herzstiftung Schwankungen am besten, auch den Verlauf in der Nacht. Ändere Medikamente oder Einnahmezeiten nicht auf eigene Faust.
Bei Brustschmerzen, Atemnot oder plötzlichen Lähmungen oder Sprachstörungen rufst Du sofort den Notruf 112.
Wie DOKINA den Zwei-Wochen-Check übernimmt
Auf Papier musst Du sortieren, zählen und rechnen. Genau dieses Protokollieren und Vergleichen soll DOKINA übernehmen. Deine Blutdruckwerte stehen mit Uhrzeit im Verlauf, daneben die tatsächlich genommenen Medikamente und Notizen dazu, wie Du geschlafen hast und wie es Dir geht. Dazu kommen Umweltinformationen. So kannst Du Deine Morgenwerte nach Tagen vergleichen, etwa Tage nach einer vergessenen Abendtablette gegen die übrigen Tage, ohne jede Zeile einzeln durchzugehen. Was Du daraus schließt, entscheidest Du selbst.
Für den nächsten Termin soll aus Deinen Daten ein Bericht als PDF entstehen. Du gibst ihn selbst an Deine Praxis weiter oder stellst ihn in Deine elektronische Patientenakte ein. So sieht Deine Praxis nicht nur einen einzelnen Wert, sondern den Verlauf mit Deinen Notizen. Wie Elisabeth Berger mit Bluthochdruck, Herzschwäche und Diabetes ihre Werte im Alltag festhält, zeigt ihre Geschichte aus dem Alltag.
Weiterführende Artikel
- Für die laufende Messung morgens und abends eignet sich das Blutdrucktagebuch zum Ausdrucken.
- Warum Dein eigener Verlauf mehr zählt als ein Durchschnitt, erklärt Individuelle Zielwerte: Warum der eigene Verlauf zählt.
- Warum der Wert in der Praxis oft höher ist als zu Hause und wie Du Deinen Mittelwert ausrechnest, zeigt Blutdruck beim Arzt höher als zu Hause.
- Wie Du Deine Notizen für den nächsten Termin zusammenfasst, zeigt Bericht für den Arzttermin vorbereiten.
Häufig gestellte Fragen
Ist ein höherer Blutdruck am Morgen normal?
Ein gewisser Anstieg am Morgen gehört zum normalen Tagesrhythmus. Nach der Deutschen Herzstiftung steigt der Blutdruck schon vor dem Aufwachen an. Ob Deine Morgenwerte in Ordnung sind, hängt davon ab, wie hoch sie liegen und welcher Zielwert für Dich gilt. Das klärt Deine Praxis.
Wie lange muss ich notieren, bis ich ein Muster sehe?
Zwei Wochen sind ein guter Anfang. Dann hast Du etwa 14 Morgenwerte und meist mehrere Tage in jeder Gruppe. Liegen in einer Gruppe nur ein oder zwei Werte, notiere weiter, bevor Du einen Schluss ziehst.
Kann ich meine Blutdrucktablette einfach abends nehmen?
Nicht ohne Rücksprache. Ob ein anderer Einnahmezeitpunkt sinnvoll ist, entscheidet Deine Praxis, oft nach einer 24-Stunden-Messung. Dein Protokoll mit Werten und Einnahmezeiten hilft bei dieser Entscheidung.
Sagt mir DOKINA, warum mein Morgenwert hoch ist?
Nein. Die Anwendung stellt Deine Werte, Medikamente und Notizen nebeneinander, damit Du selbst nachsehen kannst, was an auffälligen Tagen anders war. Sie bewertet die Werte nicht, nennt keine Ursache und stellt keine Diagnose. Was ein Muster bedeutet, ordnet Deine Praxis ein.